Kreuz & Erlösung

Die Kartage und deren Liturgie sind eigentlich das wichtigste Ereignis im Kirchenjahr. Das Leiden und Sterben Jesu und dessen freudvolle Auferstehung ist der Kern unseres christlichen Glaubens.

Gründonnerstag und Karfreitag sind die Tage, an denen Jesus ganz allein dasteht, verlassen von seinen besten Freunden, den Jüngern und scheinbar verlassen von Gott, seinem Vater?!

Die erste Reaktion auf dieses Geschehen ist Mitleid; Mitleid mit dem „armen“ Jesus, der auf dem Ölberg am Getsemani mit seiner Auslieferung hadert, der am Kreuz das Gefühl der absoluten Verlassenheit ausspricht oder eher herausschreit. Mitleid scheint hier angebracht zu sein, aber das ist nicht das, was Gott will.

Unsere Gesellschaft versteht unter Mitleid einen Akt des traurigen Belächelns, des inaktiven Seufzens über einen Zustand, der in ihren Augen keinen Sinn macht.

Betrachtet man jedoch das Wort „mitleiden“ genauer, erweitert sich der Bedeutungshorizont. Mit jemanden mitzuleiden bedeutet eigentlich mitzutrauern; sich an die Seite von Jesus zu stellen und mit ihm Blut und Wasser zu schwitzen. Es ist Trauer angesagt über einen Tod, der Sinn macht und die Tatsache der Sinngebung gibt uns Durchhaltevermögen und Kraft durch diesen schrecklichen Tod zu gehen.

Gott wird Mensch, er wächst auf, baut sich ein soziales Netz auf von Freunden, LEBT mit seinem auserwählten Volk, er entäußert sich, er erniedrigt sich und letzten Endes wird ihm ins Gesicht gespuckt. Hier kann man nicht von Fairness oder Ungerechtigkeit sprechen, beziehungsweise jene einfordern, hier geht es einzig und allein um einen Heilsplan für die Menschheit, der durch den Tod, das Leid und das

Sterben erfüllt werden muss.

Nein, es ist kein trauriges be-mitleiden angesagt, sondern eine tiefe Trauer und Bereitschaft mit Jesus am Ölberg, auf dem Kreuzweg und am Kreuz zu leiden.

Und warum all das? Warum dieses Leid, dieser Tod?

Eigentlich allein um zu leben; um in einer Liebe und Hoffnung zu leben, die Freiheit und Friede schenkt.

Ich glaube, dass es sich lohnt durch die Kartage bewusst zu gehen... mitzuleiden... mitzuweinen... und letzten Endes mitzufeiern.

(Christina Haller)